Seitdem die Schweizer ausgeschieden sind, ist es ruhiger geworden. Bei einem Weiterkommen hätte ich nach St. Petersburg reisen müssen, das blieb mir aber erspart. In Moskau habe ich die zwei freien Tage genutzt, um mich genauer umzusehen. Tatsächlich sind mir Kuriositäten aufgefallen.

Beispielsweise die Treppen. Eigentlich gibt es für uns Schweizer nichts Gewöhnlicheres als Treppen. Hier in Russland sind sie aber sehr unterschiedlich. Wortwörtlich. Inmitten einer Etage kann der Abstand zwischen den Stufen variieren. Wenn sie in Eile sind, diese schnell überwinden wollen, dann werden sie von den unregelmässigen Abständen heftig überrascht. Als würde dir jemand ein Bein stellen. Komisch ist auch ein Dinner zu zweit. Leere Teller werden weggeräumt, selbst wenn das Gegenüber noch isst. In der Schweiz ist das ein absolutes Tabu.

Auffällig sind derweil die Stadt-Trams. In der Schweiz würden nur noch Sammler über solche Exemplare verfügen. In Betrieb wären sie höchstens bei Nostalgiefahrten. Die Klappergestelle aus dem letzten Jahrhundert bevölkern aber die Strassen von Moskau – und schnurren beim Fahren wie eine Dampflok. Neulich bin ich in einem solchen gesessen. Es ruckelte, war aber soweit angenehm, bis es mitten auf der Strasse stoppte. Die Fahrerin stieg aus dem Führerstand aus, sagte etwas auf Russisch und wollte das Fahrzeug verlassen. Als ich auf Englisch intervenierte sagte sie etwas wie „Boom“ und haute die Fäuste gegeneinander. Komisch, dachte ich, ich habe eigentlich nichts gespürt. Erst mit der Hilfe von anderen Passagieren verstand ich, dass ein Autocrash das Netz lahmgelegt hat und wir aussteigen sollen.

Ach und noch was: Ich habe schon erwähnt, dass im Hotel so etwas wie Sicherheitspersonal vorhanden ist. Ein offensichtlich begehrter und gut besetzter Job. Die oft zahlreichen Herren sitzen da, diskutieren, grölen und schauen in die Glotze. Wenn jemand das Hotel betritt und durch den Scanner läuft, dann piepst es zwar wie wild. Die Herren aber sind die Ruhe selbst und vermitteln einen unbeteiligten Eindruck. Marktwirtschaft lässt grüssen. Oder so…

Aber zurück zum Sport: Heute werden die Halbfinals stattfinden. Die Abendpartie werden die Russen und die Finnen austragen. Ich wünschte mir, die Schweizer Behörde für Lärmschutz wäre vor Ort. Diese hätte dem übereifrigen, stimmungsmachenden Stadionspeaker und dem womöglich gehörschwachen Marschmusik-Fan am DJ-Pult längst den Saft abgedreht. Ein Dezibel-Limit gibt es hier aber nicht. Obwohl alleine die Fans lauter als gefühlte 10 000 Dieselrasenmäher sind, wird auch der Entertainment-Sound auf Maximum gedreht.

 

Dieser Beitrag ist im Unter-Emmentaler erschienen.

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