Was sind Ihre ersten Gedanken, wenn Sie das Wort Operation hören? Meine sind Blut, Schmerzen und die Fernsehserie Scrubs. Also nicht nur schlechte Gedanken. Ich muss aber zugeben, dass ich nur vor wenigen Dingen mehr Angst habe, als vor einem chirurgischen Eingriff. Als ich von Dominik Lüdi, dem stellvertretenden Chefarzt «Chirurgie» des Langenthaler SRO, die Möglichkeit erhielt, während einer Darm-OP zu fotografieren, reduzierten sich diese Begriffe auf einen: Blut. Am Vorabend stichelte dann meine Mutter, so dass meine Vorahnungen nicht besser wurden. «Ich wette, das hältst du nicht aus», sagte sie und wollte dann mit allen Familienmitgliedern wetten, dass Ryser-Junior im Operationssaal vor lauter Schwindel umkippt.

Der Tag kam und ich war nervös. Blutige Massaker aus dem Fernsehen schossen mir durch den Kopf. Übel wurde mir schon beim daran denken. Hatte meine Mutter Recht? Plötzlich stand ich im SRO und erhielt die Anweisung, mich umzuziehen. «Die Unterwäsche können sie anbehalten. Wertsachen und Kleidung müssen sie hierlassen», sagte mir in der Garderobe eine in blauen OP-Klamotten gekleidete Frau. Dann ging es schnell. Auch mit den Gedanken. «Wenn Sie umkippen, gehen Sie einen Meter zurück, damit Sie keine Geräte umstossen», sagte die junge Frau mit einem freundlichen Lächeln. Am besten aber sei es, wenn ich Symptome wie Schweiss auf der Haut oder Übelkeit erkenne, um den OP-Saal frühzeitig zu verlassen. Da fragte ich mich, ob ich diese Symptome schon im Voraus melden soll, schmunzelte dabei ab meinem eigenen Witz und betrat den OP-Saal.

Dominik Lüdi war bereits mittendrin in der Operation. Wortwörtlich. Seine Hände befanden sich im Bauch des Patienten, während er mich ansah und mich grüsste. Ich könne einfach loslegen, ein «Schämeli», um von erhöhter Position zu fotografieren, sei auch vorhanden. Hier erlaube ich es mir, das Ende vorneweg zu nehmen: Ich bin nicht umgekippt. Nein, ich hatte überhaupt keine Probleme. Kein Graus. Kein Schwindel. Nichts. Während Dominik Lüdi dem Patienten den Darm entnahm und ihn mir präsentierte, schoss ich munter Fotos und hatte schon gar keine Ängste mehr. Nach gut 15 Minuten war der Spuk vorbei und eines hatte ich gelernt. Manchmal ist es nur die Angst vor der Möglichkeit, die uns Sorgen bereitet. Meine Vorstellungen waren von der Wahrheit jedoch weit entfernt. Und deshalb beende ich diesen Meinungsartikel mit den Worten von Dominik Lüdi: «Ich versuche immer so zu operieren, dass möglichst wenig Blut fliesst. Denn Blut ist kostbar. Und wir sind keine Metzger oder Schnippler.»

 

Unten angefügt ist eine kurze Bilderstrecke, die ich während der Operation machen durfte. Die Bilder sind grösstenteils harmlos, wer es aber nicht aushalten kann, der sollte das hinschauen vielleicht doch weglassen

Hier finden sie den Artikel über Dominik Lüdi, der heute im Unter-Emmentaler erschienen ist.

 

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