Sind wir mal ehrlich: Wir haben erwartet, dass die Schweizer nach den ersten beiden Spielen an dieser Weltmeisterschaft sagen „dasch eifach gsi“. Klar, die ausgebufften und geschulten Profis hätten das niemals so gesagt. Aber wir alle hofften, dass es zumindest so ausgesehen hätte. Und jetzt – zwei Spiele und zwei Punkte später – sind wir alle umso mehr enttäuscht von den Leistungen des Schweizer Nationalteams. Von genügend waren sie weit entfernt.

Erwarten wir zu viel? Überschätzen wir uns? Ist unser Nationalteam nicht besser, als es aktuell spielt? Zeigen Niederlagen gegen Kasachstan und Norwegen, wie stark unsere Eisgenossen tatsächlich sind? Ich denke nicht. Und irgendwie eben doch.

Ich will ihnen das erklären: Wir Schweizer haben das Zeug, mehr zu machen, als wir zeigten. Unser Land hat die Qualität und das Talent, die Viertelfinals zu überstehen und somit ja, tatsächlich die Halbfinals zu erreichen und beispielsweise gegen Kanada oder Russland zu spielen. Ich verüble ihnen nicht, dass sie mich nach den letzten beiden WM-Spielen für verrückt halten. Aber die Schweiz hat die Fähigkeiten, dorthin zu kommen.

Schuld ist – nein, nicht nur der Trainer, sondern – die Mentalität. Alle Jahre wieder kranken wir an demselben Problem. Wir können Underdogs nicht besiegen. Gelungen ist uns das nur 2013, als wir zuerst gegen die Grossnationen überzeugten, dann einen Lauf hatten und danach die kleinen Nationen wegfegten. Ansonsten schleppen wir uns von Spiel zu Spiel und hoffen, diese Partien irgendwie positiv überstehen zu können. Wir sind zu wenig arrogant. Zu wenig baslerisch. Wir haben keine selbstverständliche Siegermentalität.

Deshalb schmerzen mich die aktuellen Misserfolge besonders. Patrick Fischer wollte das korrigieren. Fussballspielen wie die Deutschen oder Eishockeyspielen wie die Kanadier. Das ist das Ziel. Fischer ist der Schweizer, der ein bisschen kanadisch sein kann. Dass er offenbar scheitert, weil sein Spielsystem nicht funktioniert, ist schade. Die Mischung aus Schweizer sein und wie ein Kanadier agieren, funktioniert. Jetzt sehen die Schweizer Eishockeyler aber eher wie die hilflose Fussballnati aus.

Es bleibt zu hoffen, dass die Korrektur noch folgt. Ansonsten sehe ich für diese Nati nur noch zwei plausible Lösungen. Und diese ist entweder wieder kanadisch oder heisst Kevin Schläpfer.

 

Dieser Beitrag ist im Unter-Emmentaler erschienen.

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